Das Lied vom Scheitern

24 Stunden Downhill zu fahren, hört sich noch nicht einmal sehr hart oder schmerzhaft an. Zur Not fahre ich halt im Sitzen darunter, dacht ich mir. Und so fuhren Henning, Martin und Ich am Freitag Mittag vollgepackt mit Energie-Gels, Coffein- und Magnesiumtabletten, zwei Paletten Red Bull, und Proteinshakes gen Österreich. Nach nervraubenden Staus und einem Mäckes-Besuch kamen wir nach ca. zwölf Stunden Autofahrt am Zauberberg an. Am nächsten Morgen strahlte die Sonne und ließ uns den unruhigen Schlaf fast vergessen.

Als uns bekannt gegeben wurde, dass ich mit meinen 15 Jahren nicht als Einzelstarter starten darf, fuhr ich in einem vierer Team, wo der vierte Mann ausgefallen war mit. Mit Spiegelei und Speck gestärkt richteten wir unsere Bikes her, und gingen kurz danach zur Fahrerbesprechung. Fahrer aus 13 Nationen waren anwesend, und die Stimmung war gut. Da ich als Teamfahrer nicht von Anfang an gefahren bin, legte ich mich mit der Kamera auf die Pirsch, während Martin und Henning zum Start hochfuhren. Um genau zwölf Uhr Mittags gings los. Ungefähr 3 Minuten nach zwölf kam die quitschende, staubende Meute an. Und zwei Minuten später war auch schon wieder Ruhe im Karton! Nach ein paar Fotos ging ich runter zum Lift. Der Countdown zeigte noch 23 Stunden. Auf einmal kam mir der Gedanke, dass sowas sicherlich kein Zuckerschlecken ist. Nach einigen weiteren Stunden mit einem Regenschauer und viel Matsch traf ich Henning am Bus. Die Resonanz bei ihm nach ca. 5 Stunden: Zwei platte Reifen, abgefahrene Bremsbeläge und ein abgerisses Schaltwerk. Außerdem kamen schmerzende Gelenke und Knochen hinzu!

Nachdem er Proteinshakes und Kekse zu sich genommen hatte, ging er wieder zur Liftstation, in der Hoffnung, dass das Ersatzbike halten würde. Keine zehn Minuten später trudelte er wieder am Bus ein. „Bei der Karre schmerzen dir die Hände! Ich fahr wieder mit dem anderen Bike! Eine Kette braucht man beim Bergabfahren sowieso nicht.“ Also fuhr er wieder weiter, jedoch sah man ihm die Erschöpfung und Schmerzen schon an. Ich fragte mich, wie er das die restlichen 18 Stunden durchalten soll. Bei Martin lief es technisch gesehen besser. Ich reichte ihm immer wieder alle möglichen Shakes und Energiegetränke, um die Belastung zu überstehen und die Schmerzen zu überdecken. Wenig später, beide hatten ungefähr 50 Runden aufm Buckel, kamen sie zum Bus. Man konnte ihnen die Erschöpfung wirklich ansehen! Mir war sofort klar, dass das nicht mehr lange so weitergeht. Während die meisten Anderen weiterfuhren, entschlossen sich Martin und Henning dazu, ihre geschundenen Gemüter mit einem Bier bei der Reggae-Bar aufzufrischen. Es war anscheinend sehr angenehm dort. Sie wollten gar nicht mehr wiederkommen!

Es war ungefähr 23:00 Uhr als ich nach hunderten geschossenen Fotos auf die Idee kam, mein Team zu fragen, ob ich auch mal ein paar Runden drehen darf. Sie waren einverstanden und um ca. 23:50 war es dann soweit. Ich fuhr mein erstes Downhillrennen. Zufällig war es auch das erste Mal, dass ich mehr als ein paar Meter auf einem Fully saß. Beste Vorraussetzungen also um mal so richtig am Hahn zu drehen! Im Lift hatte ich schon ein bisschen Bammel, doch das Adrenalin pushte mich so, dass ich alles vergaß. Ich kam aus dem Lift, stieg auf mein Rad und 4 Minuten Später kam ich unten an. Wieder Im Lift ging mir alles Mögliche durch den Kopf und ich verstand auf einmal, dass Downhill ein sehr harter Sport ist. Nach 4 Abfahrten gab ich den Transponder weiter und fuhr zum Bus. "Scheiße ist Downhill hart!" Ich verstand auf einmal warum Henning und Martin so erschöpft waren und derbste Schmerzen hatten. Nach einer Viertelstunde, ich saß immer noch erschöpft im Bus, kamen Henning und Martin! Zwar körperlich am Ende, aber gut gelaunt. Wir entschlossen uns, dem Schlafmangel ein Ende zu bereiten und gingen um ungefähr ein Uhr schlafen.

Am nächsten Morgen gingen wir den Tag langsam an und frühstückten gemächlich. Um halb zwölf Mittags zogen sich Martin und Henning die Protektoren an, um ihre letzte Runde zu fahren. Denn es wird nur gewertet, wenn der Fahrer um oder nach 12 Uhr Mittags die Lichtschranke durchquert. Um 12 Uhr war es dann soweit. Die Fahrer kamen nach und nach im Ziel an. Martin hatte 53 und Henning 48 Runden. Respekt von meiner Seite, für mich waren 4 Runden schon genug! Für mich war es ein aufregender Trip, der mir viele Erfahrungen gebracht hat. Für Henning und Martin war es eher enttäuschend, da sie sich viel mehr erhofft hatten. Mit einer Erkenntnis reicher fuhren wir wieder zurück nach Deutschland. Der Wille steht, nächstes Jahr mit der richtigen Vorbereitung 24 Stunden Downhill zu fahren. Wir werden berichten und sehen, ob die MRM Reisegruppe das durchsteht! Gewonnen hat übrigens der Österreicher Rudi Dorotka in der Einzelwertung mit 163 Abfahrten. Bei den Zweierteams konnte sich Team Gloryfy Heros durchsetzen. In der Viererteamwertung setzte sich das Team FREERIDE Kosice aus der Slowakei die Krone auf. Bei den Sechserteams gewann das Team Geronazzo aus Ungarn.

Fotos: Manuel Duwe

Gepostet am 10.08.2011 von Manuel Duwe |

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